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Gedanken zu “Wie Othello ins Hemd kam”

In German, Live and Everything, Politics on April 9, 2012 at 2:53 pm

Per Facebook wurde ich auf diesen Artikel aufmerksam. Die Antwort auf Facebook hat sich etwas ausgewachsen und wurde darum hierher verlagert:

Ein sicher guter Artikel, der die Thematik haarfein zerlegt und bei mir etwas mehr Bewusstsein geschaffen hat . . . aber dennoch voll am Thema vorbeirasselt.

Solange es Leute gibt deren Stammbaum sich nicht in (übertreiben gesagt) habsburgerischen Untiefen verliert, wird es auch Situationen geben in denen man die Gruppe dieser Menschen ganz wertungsfrei benennen möchte. In einer optimalen Welt selten, aber doch. Genau so wie man manchmal von blonden Menschen redet. Selten, aber doch.

Und genau da (im “selten aber doch”) liegt für mich das Problem begraben. Leute mit “Migrationshintergrund” werden fast täglich vor Augen der ganzen Nation analysiert, angegriffen, verteidigt und in’s Scheinwerferlicht gezogen. Ob sie wollen oder nicht. Und wir (ich habe sowas von keinen Migrationshintergrund) werden damit berieselt. Ob wir wollen oder nicht.

Aber nicht das Wort an sich sondern die Frequenz in der es benutzt wird suggeriert bzw zementiert das “die” nicht wie “wir” sind.

(das lässt sich natürlich nicht auf Begriffe umlegen, die in ihrer Entstehung oder wörtlichen Bedeutung ganz eindeutig negativ besetzt sind)

In meinen Augen eignen sich derartige Verbal-Analysen ganz großartig um Missstände bzw Symptome aufzuzeigen. Ein Problem sehe ich aber darin, dass dann die Lösungsvorschläge (so wie im vorliegenden Artikel) meistens auch auf der rein verbalen Ebene bleiben.

Das Wort “Migrationshintergrund” für pfuigack zu erklären, ist ein wenig so als rate man jemand, der knietief in Scheiße steht, sich die Hände zu waschen. Sicher ist der Rat nicht wirklich verkehrt. Aber Angesicht dessen, dass er sehr bald wieder Dreck an den Händen haben wird, ist er auch nicht wirklich klug.

Von mir aus können wir das Wort gerne “verbieten”. Es gibt durchaus berechtigte Kritikpunkte an ihm. Vor allem der Punkt mit der sehr offenen Definition (bis in die wievielte Generation hat man einen Migrationshintergrund?) hat mich überzeugt. Aber wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass es sehr bald ein neues Wort geben wird. Es wird einfach viel zu oft darüber geredet und diskutiert, als das wir ohne Begriff auskommen könnten. Und dann wird es wieder genau so einen Artikel geben. Und wir werden immer noch knietief in Scheiße stehen.

  1. Für den letzten Satz möchte ich mich fast entschuldigen🙂
    Hat sich aber so schön angeboten und jetzt bleibt er stehen

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